Musikalischer Kindergarten – der erste Weg zur Musik


 Matthias Unterkofler, Februar 2018

Grundidee

„Musik ist die wahre allgemeine Menschensprache“ (Karl Julius Weber, 1767-1832, deutscher Jurist, Privatgelehrter und Schriftsteller)

Vom ersten Lebenstag an ist jedes Kind von Sprache umgeben. Das Interesse von Eltern und Pädagogen (m/w) zielt darauf ab, dem Kind möglichst früh den Gebrauch der eigenen Sprache zu entlocken. Dadurch ist (in den meisten Fällen) sichergestellt, dass ein Kind mit Schuleintritt seiner Muttersprache mächtig ist und sich als kommunikatives Wesen in die Gesellschaft einbringen kann.

Die musikalischen Kindergärten möchten den Anspruch, der an Sprache gerichtet ist, auf die Ebene des musikalischen Ausdrucks eines Kindes umlegen. Auf Basis des Zuganges der Elementarpädagogen (m/w) unterstützen Musiker (m/w) diese in ihrer Arbeit, bringen Aspekte von außen ein und erwecken in den Kindern ein tiefergehendes Interesse für Musik.

Das natürlichste musikalische Ausdrucksmittel des Menschen ist die eigene Stimme. „Sprechen muss jeder, singen kann jeder“ (Gerhard Schmidt-Gaden, Tölzer Knabenchor).

Auf dieser Grundlage sind die Kinder beim Eintritt in die Schule in der Lage, tonhöhendifferenziert zu hören und zu singen und sich als individuellen Baustein einer musizierenden Gruppe wahrzunehmen.

Durch vorschulischen Kontakt von Kindern und Eltern zu unten angeführten Institutionen gelingt es, die Kinder und ihre Vertrauenspersonen im Alter der ersten (freizeitlichen) Weichenstellungen zu erreichen und zu begeistern.

Angebot – Umsetzung

Die Musikpädagogen (m/w) der musikalischen Kindergärten besuchen wöchentlich die ihnen zugeteile elementarpädagogische Einrichtung. Die Dauer einer Einheit wird mit 30 Minuten festgesetzt, die Gruppengröße umfasst 15-20 Kinder. Kindergärten mit mehreren Gruppen wechseln nach dieser Zeit, sodass 2 Gruppen pro Stunde Platz haben.

Sofortige soziale und kognitive Auswirkungen

Die Musikpädagogen (m/w) der musikalischen Kindergärten gehen auf alle Kinder zu und stellen ihr Können, ihr Engagement und ihre Leidenschaft für die gesamte Gruppe zur Verfügung.

Ohne musikalische, gesellschaftliche oder finanzielle Selektion begleiten sie – Hand in Hand mit den Elementarpädagogen (m/w) – die Kinder in der Vertiefung ihrer sprachlichen Kompetenz und kulturellen Integrität (vgl. Bastian-Studie, Berlin 1998). Vor allem Kinder mit anderen Erstsprachen außer Deutsch erhalten spielerisch eine intensive Sprachförderung.

Durch das Verfolgen musikalischer Interessen im Alltag werden sprachliche und ethnische Grenzen überwunden, entsteht Respekt für das Andere und Neugier für das Verbindende.

Langfristige Wirkung

Durch den frühen Kontakt mit Gesang und Musik entwickelt sich künstlerische Auseinandersetzung zu einem integrativen Teil kindlichen und familiären Lebens. Dies geschieht im Tagesrhythmus (tägliches Üben), Wochenrhythmus (Unterricht, Proben) und Jahresrhythmus (jahreszeitliche Schwerpunkte bei Aufführungen).

Die daraus resultierende Selbstverständlichkeit und Regelmäßigkeit lässt Begabungen entstehen und entwickeln. Mithilfe der Transition zu obengenannten Institutionen entwickeln sich musikalische Ressourcen vom Breitenmusizieren in Chören, Orchestern, Musikvereinen, Bands u.ä. bis hin zu den zukünftigen Profimusikern (m/w) der österreichischen Kulturnation.

Personal (m/w)

  • Musikpädagogen
  • Instrumentallehrer
  • Gesangspädagogen
  • Chorleiter

Jährliche Veranstaltungen

Zur Auswahl, jeweils mit Eltern

  • Besuch der Kunstuniversität
  • Besuch des Konservatoriums
  • Besuch des Opernhauses
  • Besuch des Stefaniensaals
  • Besuch des Augustinums

Fixpunkte

  • Interne Veranstaltungen wie z.B. Laternenfest, Nikolaus, Advent / Weihnachten bzw. analoge jahreskreiszeitliche Feste und Feiern
  • Singveranstaltung für alle teilnehmenden Kindergärten mit gemeinsamer Literatur

Literatur

Lieder, für Kinder im elementarpädagogischen Bereich geeignet – fördernd und fordernd

  • Teil 1 nach Auswahl des Musikpädagogen (m/w) vor Ort in Absprache mit der pädagogischen Kraft
  • Teil 2 nach Vorgaben des künstlerischen Leiters (für gemeinsames Singen)

9 + 13 =

Aspekte


  aus: Lorna Lutz Heyge, Angelika Jekic: musik kindergarten

Institut für elementare Musikerziehung

Musik fördert Kinder ganzheitlich

Kreativität entspringt aus deinem Fundament von Erfahrungen, aus einem verinnerlichten Repertoire von Melodien und Rhythmen, Klängen und Geräuschen.

Musik fördert die sprachliche Entwicklung des Kindes. Sprache besteht aus Silben und Klängen, aus Wortschatz und Melodien und geschieht im sozialen Miteinander. Musik besteht aus Motiven und klingenden Bausteinen, Echospielen und rhythmischen Strukturen – und geschieht ebenfalls im sozialen Miteinander.

Alle Kinder lieben Musik und sind musikalisch

Das Ohr ist das erste Organ, das pränatal ausgeprägt ist. Das Kind reagiert auf vertraute Stimmen, „gurgelt“ Laute und „jauchzt“ vor Freude.

Musik unterstützt den Kindergartenalltag

Die täglichen Erfahrungen können mit musikalischen Themen ergänzt werden, durch ein Lied von der Wiese, einen Tanz mit den Blättern im Herbst und einen Vers über das Tier in der Luft.

Ein Leben mit Musik

Im Kindergarten kann jedes Kind Musik als Geschenk erleben. Musik ist eine natürliche Sprache des Kindes, und mit täglichen Musikelementen wird diese „zweite Muttersprache“ weitentwickelt. Musik im Alltag zu erleben, das ist die Basis für spätere musikalische Wege, die das Kind unabhängig von Erwartungen oder dem persönlichen Werdegang zu schreiten in der Lage ist.

Das Ohr und seine zentrale Funktion beim Lernen

Unsere Umwelt überflutet das Ohr im Wachsein wie auch im Schlaf mit unzähligen Geräuschen. Daraus ergibt sich für das Kind die Schwierigkeit, aus einem Hintergrund konkurrierender Geräusche bestimmte Klänge herauszufiltern. Gelingt es uns, das bewusste Zuhören zu fördern, ist dem Kind in jeder Phase seines Lernens geholfen- kognitiv, emotional, sozial, physisch und psychisch.

Unabhängigkeit und Initiative als Weg zum Selbstbewusstsein

Wenn der „junge Forscher“ sich in immer wieder neue Richtungen frei bewegen darf, aber trotzdem der Sicherheit seines Elternhauses gewiss ist, ist sein sensomotorisches Lernen am effektivsten. Eltern und Bezugspersonen wirken durch Ermunterungen im Sinne von „Versuch das doch mal selbst“ positiv mit.

Musik für Kinder

Das Vorschulalter ist für die musikalische Entwicklung eine Zeit des Vorbereitens. Kinder brauchen – und suchen – musikalische Erlebnisse, die an keine Vorgaben gebunden sind. Wenn wir ihre Bemühungen unterstützen, wird die Musik Freude machen und ein Freund werden – lebenslang. Unser Ziel ist es, das Kind mit seinem ganzen Wesen auf ein Leben mit Musik vorzubereiten. Die wichtigsten Bausteine hierzu sind:

  • Bewegung
  • Hörerziehung
  • Singen
  • Sprechen
  • Instrumentalspiel

Elternarbeit

Elternmitmachstunden im Kindergarten fördern das Verständnis der Eltern für die musikalische Arbeit des Erzieherteams. Die Eltern musizieren zusammen mit den Kindern und bekommen so eine konkrete Vorstellung von deren musikalischem Tun.

Lehrkräfte setzen Ziele für Ihre Arbeit mit Kindern. Diese sind jedoch nur gemeinsam mit kooperativen Erwachsenen zu Hause zu erreichen. Eltern sollen an Lernerlebnissen ihrer Kinder aktiv teilhaben.

Für manche Eltern ist die Welt der Musik etwas Fremdes. Sie sind davon überzeugt, dass sie weder Singen noch ein Instrument spielen und bestimmt nicht Notenlesen lernen können. Egal woher diese Vorstellungen stammen, die Lehrkraft hilft allen durch ihre einladende Offenheit und herzliche Begrüßung.

Das Hauptziel des Musikkindergartens ist es, das musikalische Spielen wieder zu einem zentralen Punkt des täglichen Familienlebens zu machen, denn:

  • Das Elternhaus ist die erste und wichtigste Schule der Kinder.

  • Engagierte Eltern sind die wirksamsten Lehrer ihrer Kinder.

 Wenn Eltern vorsingen, so ist dies für das Kind ein starker Anreiz zum eigenen Singen.